Gute-Nacht-Geschichte
Wichtel Zimt und die Schlafmütze
- ab 5 Jahren
- ca. 3 Min. vorlesen
- 4 Min. anhören
- 8 Seiten
- Bilderbuch
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Die Geschichte zum Vorlesen

Seit dem ersten Dezember gibt es in Lenis Zimmer ein Geheimnis. Unten an der Fußleiste, gleich neben dem Bücherregal, ist eine winzige rote Tür. Ihr Knauf ist so klein wie eine Erbse. Dahinter wohnt der Wichtel Zimt. Gesehen hat ihn noch niemand. Aber jeden Abend liegt vor dem Türchen ein Zettel, zusammengerollt und mit rotem Faden verschnürt.

Die Buchstaben darauf sind so winzig, dass Mama sie mit der Lupe lesen muss. „Danke für den Keks. Er war riesig! Dein Zimt“, steht da. Oder: „Heute duftet es nach Tannengrün. Das mag ich. Dein Zimt.“ Leni kann noch nicht schreiben. Also malt sie ihm Antworten: einen Stern, einen Mond, ein Herz.

Heute Abend flackern die Kerzen am Adventskranz, und es duftet nach Zimtsternen. Aber der Zettel ist anders als sonst: keine Buchstaben, nur ein Bild. Etwas Langes, Spitzes mit einem Kügelchen dran. Daneben ein dickes Fragezeichen. „Eine Möhre?“, rät Leni. „Eine Rakete?“, rät Mama. Sie drehen den Zettel hin und her. Sie kommen einfach nicht drauf.

Beim Zubettgehen legt Leni wie jeden Abend ein Eckchen Zimtstern vor das Türchen. „Gute Nacht, kleine Tür“, flüstert sie. „Gute Nacht, Zimt.“ Dann schläft sie ein, ihren Kuschelhasen im Arm. Mitten in der Nacht macht es: tock, tock, tock. Leni öffnet die Augen. Auf ihrer Bettdecke steht jemand. Jemand ganz, ganz Kleines.

Er ist nicht größer als ein Teelöffel, hat spitze Ohren, rote Bäckchen und Haare wie eine Bürste. Er duftet nach Zimt. „Meine Schlafmütze ist weg“, flüstert er. „Ich hab sie dir doch gemalt!“ „Das war gar keine Möhre?“, staunt Leni. Zimt schüttelt den Kopf. „Ohne Mütze kann ich nicht schlafen.“ Leni drückt ihren Hasen an sich. Das kennt sie gut.

„Ich helfe dir“, sagt Leni und knipst ihre Sternlampe an. Unter dem Bett? Nur eine Socke. Im Hausschuh? Nur ein Bauklotz. Hinter dem Vorhang? Nur eine Staubflocke. Da hat Leni eine Idee. Sie setzt Zimt die Socke auf. Aber die ist viel zu groß! Zimt verschwindet darin bis zu den Knien. „Hier drin ist es dunkel“, brummelt die Socke.

Leni kichert. Zimt kichert auch. „Psst!“ Dann ist es ganz still. Da hören sie es. Bimmel. Ganz leise. Bimmel. Das kommt vom Fenster! Dort steht der Tannenzweig mit den Strohsternen. Ganz oben hängt eine rot-weiße Zipfelmütze mit Glöckchen. Leni wird rot. „Die hab ich heute früh gefunden. Ich dachte, das ist Baumschmuck!“ Zimt lacht, bis seine Ohren wackeln.

Ganz vorsichtig nimmt Leni die Mütze vom Zweig und setzt sie Zimt auf. Sie passt genau. „Danke“, gähnt Zimt und tippelt heim. Leni kuschelt sich ins Bett. Bald schnarcht es hinter dem Türchen, und bei jedem Schnarcher macht das Glöckchen: bimmel. „Gute Nacht, kleine Tür“, flüstert Leni. „Gute Nacht, Zimt.“ Und dann schläft auch sie.

Ende. Gute Nacht!